Energieeffizienz und Contractingmodelle

 

Eine wachsende Zahl an Energiegenossenschaften möchte mit Contractingmodellen die zweite Säule der Energiewende, die Energieeffizienz, erschließen. Das Einsparpotential an Energie in Deutschland ist riesig. Als Genossenschaft haben Sie die Chance, mit kleinen Unternehmen, Vereinen und Kommunen einen Markt zu erschließen, der von privatwirtschaftlichen Contractoren bisher kaum bearbeitet wurde.

Beim Contracting unterscheidet man vier verschiedene Formen:

  • Energieliefercontracting: Der Contractor plant, baut, finanziert und betreibt die energieeffiziente Anlage und bleibt juristischer und wirtschaftlicher Eigentümer. Er verkauft Wärme und ggf. Strom. Ein klassischer Fall ist der Betrieb einer Pellet-Heizung oder eines Blockheizkraftwerkes (BHKW)
  • Energieeinsparcontracting: Beim Energieeinsparcontracting wird der Endenergieverbrauch reduziert. Der Contractor hilft dem Kunden, weniger Energie zu verbrauchen. Häufigstes Beispiel ist der Austausch von Leuchtmitteln. Lesen Sie mehr zum Einspar-Contracting.
  • Betriebsführungscontracting: Der Contractor verspricht, dass er durch besseres Management einer häufig schon bestehenden Anlage Energie einsparen kann, etwa durch eine optimierte Fahrweise eines BHKW.
  • Finanzierungscontracting: Der Contractor baut und finanziert die Anlage und überlässt sie zum Betrieb vollständig dem Mieter. Sie müssen sich hier vorher unbedingt rechtlich absichern, dass kein genehmigungspflichtiges Finanzierungsleasing nach § 32 Abs. 1 Kreditwesengesetz KWG vorliegt.

Die Effizienzpotentiale heben

Sie besitzen als Energiegenossenschaft das notwendige Kapital und haben einen kurzen Zugang zu möglichen Sanierungsobjekten. Ein enger Draht zur Kommune, die Nähe zum lokalen Gewerbe und die Bekanntheit vor Ort helfen bei der Projektakquise. Sie sind zudem gut in der Energiewirtschaft vernetzt und können das nötige Know-how einbringen.

Trotz erfolgreicher Projekte haben sich Energieeffizienzmaßnahmen bis heute nicht flächendeckend durchgesetzt. Das liegt sicher am erheblichen Akquiseaufwand. Die Zusammenarbeit mit kommunalen Trägern ist zudem aufgrund der kommunalrechtlichen Rahmenbedingungen mitunter schwierig.

  • Und es gibt Risiken. Nachdem der Contractor kostenfrei zu den Vorteilen der Sanierung beraten hat, spart der Kunde sich schließlich die Contracting-Kosten und saniert selbst. Verschiedene Strategien helfen dagegen an: Die Genossenschaft bietet dem Unternehmen an, die Sanierungsdienstleistung mit und ohne Contracting durchzuführen. Sie kommt also in jedem Fall zum Zug.
  • Nach Kalkulation der Maßnahmen sagen Sie dem Kunden, wie viel Energiekosten er einsparen kann, nicht jedoch, durch welche Maßnahmen.
  • Sie lagern die Akquise aus und kooperieren mit Energieberatern, Handwerksbetrieben oder lokalen Banken. Die Energiegenossenschaft steht dann als fester Contracting-Partner im Hintergrund bereit.  

Den ausführlichen Beitrag „Energieeffizienz und Contractingmodelle“ finden Sie in Kapitel 4.6. der Studie „Geschäftsmodelle für Bürgerenergiegenossenschaften“  

Mehr zu bürgerschaftlichen Projekten der Energieeffizienz finden Sie auch in der Studie „Energiesparen in Bürgerhand: Vom Modellprojekt zum Standbein der Energiewende von unten.“

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