Pachtmodelle

 

Bei Pachtmodellen bezahlt und besitzt die Energiegenossenschaft die Photovoltaikanlage. Sie verpachtet diese an einen Strombezieher, der ihr dafür eine monatliche Miete bezahlt. Der Strombezieher nutzt den günstigen Strom aus der Anlage und bezieht Reststrom aus dem Stromnetz. Er speist den überschüssigen Solarstrom in das Stromnetz ein und bekommt dafür eine Einspeise-Vergütung. Auf den selbst genutzten Strom muss er nur eine anteilige EEG-Umlage abführen.

Für die Kooperation mit Unternehmen hat LaNEG e.V. den Flyer „Solarstrom ohne eigenes Invest - Unternehmen nutzen Know-how und Kapital von BürgerEnergieGenossenschaften“ erarbeitet. Der Flyer enthält die wichtigsten Wertversprechen an Unternehmen und was die Energiegenossenschaft übernimmt.  

Wichtig für dieses Modell sind Mietverträge, welche die Betreiberpflichten richtig verteilen, damit das Pachtmodell Bestand hat. Zusätzlich muss in den Verträgen darauf geachtet werden, dass das Pachtmodell nicht als unerlaubtes Finanzierungsleasing eingestuft wird. Dies ist deshalb wichtig, weil ohne Betreibereigenschaft kein Eigenverbrauch zulässig ist und damit die volle EEG-Umlage fällig wäre. Die Betreibereigenschaft ist eng an das Betreiberrisiko geknüpft. Eine Kopplung der Anlagenmiete an den Ertrag der Anlage ist deshalb beispielsweise nicht erlaubt, stattdessen lässt sich beispielsweise eine Kopplung an die Leistung vornehmen. Seit Oktober 2015 gibt es von der Bundesnetzagentur einen Leitfaden zur Eigenversorgung in einer Konsultationsfassung.

Die UrStrom Bürgerenergiegenossenschaft Mainz eG hat eine Photovoltaikanlage mit 29 kWp auf einem Gebäude des Entsorgungsbetriebs der Stadt Mainz  als Pachtmodell errichtet. Sie hat die Photovoltaikanlage an den Entsorgungsbetrieb vermietet und dieser ist Betreiber. Den operativen Anlagenbetrieb und die Anlagenüberwachung hat der Betreiber an die Urstrom eG übertragen. Im Jahr 2014 wurden 93,1 Prozent des Solarstroms der Anlage vor Ort verbraucht.

Vorteil des Pachtmodells ist eine bessere Erlösmöglichkeit als die Einspeisung des Solarstroms ins Verteilnetz. Nachteil ist, dass die Erlösmöglichkeit vom Endkunden abhängt. Falls dieser zahlungsunfähig werden sollte oder seine Miete nicht bezahlt, können bei der Genossenschaft Verluste auflaufen. Sie kann dann als Alternativszenario den Mietvertrag kündigen und auf Volleinspeisung umstellen.

Bewertung des Geschäftsmodells

Bei Pachtmodellen ist die rechtssichere Gestaltung der Verträge aufwändig. Ist das erste Projekt mit den nötigen vertraglichen Grundlagen vorhanden, kann es vervielfältigt werden. (Musterverträge liefern z. B. der Landesverband Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e. V. und der Bundesverband Solarwirtschaft. Der Akquiseaufwand ist vergleichbar wie bei einem normalen Photovoltaikprojekt.

Den ausführlichen Beitrag zum Pachtmodell finden Sie in Kapitel 4.1. der Studie „Geschäftsmodelle für Bürgerenergiegenossenschaften“

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