BUND warnt: Industrie und Kraftwerke treiben Rheinwassertemperatur weiter nach oben - Kritisches Temperaturniveau droht in den nächsten Tagen erreicht zu werden

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Mainz, 26. Juli 2018. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor steigenden Temperaturen im Rhein und seinen Nebenflüssen. In Kürze drohe die für die Gewässerökologie kritische Temperatur von 28 Grad Celsius überschritten zu werden. Neben der andauernden Hitze- und Niedrigwasserperiode sorgen vor allem auch Industriebetriebe, fossil befeuerte Kraftwerke und die Atomkraftwerke Philippsburg und Fessenheim mit ihren Kühlwasser-Einleitungen für zusätzliche Wärmefrachten.

Der rheinland-pfälzische BUND Gewässerexperte Dr. Heinz Schlapkohl  hat sich von der Lage selbst ein Bild gemacht und die Temperatur gemessen. Sein Ergebnis: Oberhalb von Ludwigshafen betrug die Wassertemperatur am 25.07.18 um 14 Uhr 26,5 Grad. Schlapkohl ist besorgt: „Es ist erschreckend, dass bereits oberhalb der Wärmeeinleitungen des Ballungsraums Rhein-Neckar eine so hohe Temperatur auftritt.“ Es sei davon auszugehen, dass die Temperaturen rheinabwärts deutlich höher seien. Dies wird durch die Angabe an der offiziellen Messstelle in Worms bestätigt. Hier wurden am 25.7.18 bereits 27 Grad festgestellt. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, mahnt Schlapkohl. „Kühlwassereinleitungen von Kraftwerken und Industrie müssen sofort gestoppt werden, um größere ökologische Schäden im Rhein zu verhindern.“

Der BUND fordert, dass umgehend die vorbereiteten Managementpläne zum Herunterfahren der Kraftwerke aus den Schubladen der Länderbehörden und Energieversorger geholt werden. Denn die Abwärme von Kraftwerken und großen Industrieunternehmen sattelt sich auf die wetterbedingte Erhöhung der Rheinwassertemperaturen oben auf. In Rheinland-Pfalz kommt eine hohe Belastung durch Kühleinleitungen der BASF. Aber auch andere Industrieanlagen sowie Kraftwerke leiten überall am Rhein wärmebelastetes Wasser in den Fluss.

Die Erfahrungen aus früheren Hitzeperioden – beispielsweise aus dem Extremsommer 2003 - lassen den BUND befürchten, dass zur Vermeidung von Kraftwerksabschaltungen ein Geschachere zwischen den Behörden und den Energieversorgern und der Industrie starten werde. Energieversorger würden dabei alles versuchen, die Abschaltung von Kraftwerken zu vermeiden. Dem gelte es durch eine vorausschauende Planung entgegen zu wirken.

Für den BUND sei das Abwärmeproblem am Rhein ein weiterer Beweis, dass der Weiterbetrieb von Kohle- und Atomkraftwerken nicht zukunftsfähig sei. Die in der Kohle und im Uran steckende „Primärenergie“ wird in diesen Kraftwerken allenfalls zu 40 Prozent genutzt, „der große Rest landet als Abwärme in den Flüssen oder wird über die Kühltürme ungenutzt in die Luft abgegeben“, erklärt Schlapkohl.

Der BUND befürchtet, dass in der Folge des  Klimawandels die Hitzeperioden noch unweigerlich  an Häufigkeit zunehmen werden. Dann werde auch der Betrieb der abwärmeträchtigen Kraftwerke immer weniger planbar. Dem könne nur durch einen Umbau des Energiesystems auf erneuerbare Energien und eine deutliche Reduzierung des Stromverbrauchs entgegen gewirkt werden.

Hintergrund:

Das zeitliche Zusammentreffen von Niedrigwasser im Rhein und der lang andauernden Hitzeperiode bedroht in vielfältigster Weise die Gewässerökologie. Beispielsweise ziehen sich aufstiegsbereite Fische in kühlere Grundwasserzutritte zurück. Die bei der Aufwärtswanderung in ihre Laichgründe pausierenden Fische werden dadurch aus dem Takt gebracht: So kann beispielsweise das Paarungsverhalten und der Ablaicherfolg gestört werden, wenn die Fische zu spät die angestammten Laichgründe in den Oberläufen der rheinischen Seitengewässer erreichen. Der in der Oberflächengewässerverordnung festgelegte Grenzwert von 28 Grad erscheint den Gewässerexperten des BUND als zu hoch. Unter Berücksichtigung von Kaltwasser geprägten Fischen, beispielsweise dem Lachs, müssten Minderungsmaßnahmen in den Kraftwerken und Industriebetrieben schon ab 26 Grad ergriffen werden. U.a. im Rahmen seiner Mitarbeit in der Internationalen Rheinschutzkommission setzt sich der BUND für eine Reduzierung der Temperatur-Limits ein.

Hohe Rheinwassertemperaturen können auch die Trinkwasserversorgung beeinträchtigen: Bei Niedrigwasser steigt nicht nur die Konzentration von schwer abbaubaren Mikroverunreinigungen. Darüber hinaus wird das Wasser in der Uferfiltratpassage immer wärmer. In zu warmem Trinkwasser besteht die Gefahr, dass sich koliforme Keimen in den Trinkwasserversorgungen vermehren.

Für Rückfragen:

Dr. Heinz Schlapkohl, 06353-3318, heinz.schlapkohl@bund-rlp.de

Sabine Yacoub, 06131-62706-0 oder 0174-9971892, sabine.yacoub@bund-rlp.de  

BUND-Studie zu Wärmelast im Rhein: http://www.bund-rlp.de/themen_projekte/wasser/waermelast_rhein/