Umwelt-Staatssekretär Griese: Energiefrage ist eine Freiheitsfrage

Eingestellt von: LaNEG e.V.

Landau, 06.10.2020: Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. feiert zehn Jahre bürgerschaftliches Engagement für die Energiewende in Rheinland-Pfalz. Als „Energiewende-Verhinderungsgesetz“ kritisiert Umwelt-Staatssekretär Dr. Thomas Griese in seinem Grußwort den Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2021.

Scharfe Kritik am Entwurf des Erneuerbaren Energien Gesetz hat der rheinland-pfälzische Umwelt-Staatssekretär Dr. Thomas Griese in seinem Grußwort beim zehnjährigen Jubiläum des Netzwerk Energiewende Jetzt letzte Woche in Ingelheim geübt. Es sei skandalös und ein offenkundiger Verstoß gegen europäisches Recht, dass der Gesetzentwurf die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU nicht berücksichtige.

„Die Energiefrage ist eine Freiheitsfrage“, führte Griese weiter aus. Wieviel dürften Bürger*innen selbst machen? Eine dezentrale erneuerbare Energieversorgung mit Beteiligung der Bürger*innen biete einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen: „Die Wertschöpfung bleibt in der Region, wir lösen uns aus der Abhängigkeit von fossilen Importen und von der Abhängigkeit von Unterdrückungsregimes. An Öl klebt Blut.“

Gemeinsam, nachhaltig, regional

„Energiegenossenschaften sind Erfolgsmodelle bürgerschaftlichen Engagements für Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Bürgerinnen und Bürger haben gezeigt, dass sie die Energieversorgung regional und dezentral organisieren können“, so Dietmar von Blittersdorff, Vorstandsvorsitzender des Netzwerk Energiewende Jetzt. Das Jubiläum beging der Verein coronabedingt in kleinerem Rahmen im Weiterbildungszentrum in Ingelheim. „Von Anfang an haben wir in Rheinland-Pfalz darauf gesetzt, dass Bürgerinnen und Bürger die Energiewende mitgestalten. Wir brauchen auch weiterhin viel Engagement, damit die Energiewende letztlich gelingt“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer in einer Videobotschaft zum Jubiläum. (Zum Grußwort der Ministerpräsidentin: https://www.youtube.com/channel/UCkU_ngQfpFeVlPswvbsq2Fw )

Bildungsarbeit mit gesellschaftspolitischem Handeln verbinden

Vor zehn Jahren startete ein bundesweit einmaliges Projekt, das bürgerschaftliches Engagement und Klimaschutz zusammenführte: die Weiterbildung „Projektentwickler/in für Energiegenossenschaften“. In 12 Kursen bildete Energiewende Jetzt insgesamt über 200 Projektentwickler*innen aus, die bundesweit mehr als 35 Energiegenossenschaften initiiert oder mitbegründet haben. „Das Erfolgserlebnis war nicht ausgebuchte Weiterbildungskurse, sondern die Gründung von Energiegenossenschaften“, so Dietmar von Blittersdorff. „Allerhöchsten Respekt“ zollte René Mono, Geschäftsführer der 100 prozent erneuerbar stiftung und langjähriger Vorstand des Bündnis Bürgerenergie, in seiner Keynote dem Netzwerk Energiewende Jetzt. „Ihr erreicht sehr viel Impact mit wenigen Mitteln."

„Bürgerenergie ist der richtige Weg“

Als radikalen, epochalen Umbruch bezeichnete René Mono die Nachhaltigkeitswende im 21. Jahrhundert. „Kann man eine solche große Transformation verordnen?“ fragte er zu Beginn seiner Keynote. Die Coronakrise habe die Vision des Comebacks eines großen Staates wiederbelebt. Was der Staat während der Pandemie könne, könne er doch auch bei der Klimakrise. Die Antwort von Mono war eindeutig: Nur eine Energiewende von unten führt zu nachhaltigen und sozialverträglichen Lösungen. „Bürgerenergie ist der richtige Weg“, so Mono weiter. Doch aktuell solle „Bürgerenergie in ein Energiesystem gedrängt werden, in dem Bürger*innen als Akteur*innen keine Rolle spielen."

Energietalks: Genossenschaft mit Energiewende verbinden

In zwei Energietalks berichteten Projektentwickler*innen für Energiegenossenschaften. Dr. Verena Ruppert, Geschäftsführerin des Landesnetzwerkes Bürgerenergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz ist eine Projektentwicklerin der ersten Stunde. „Genossenschaft mit Energiewende zu verbinden war für mich eine neue Idee.“ Die Bürgerenergiegenossenschaft UrStrom eG aus Mainz ist vor zehn Jahren aus dem ersten Weiterbildungskurs von Energiewende Jetzt entstanden. Vorstand Christoph Würzburger berichtete über den Entwicklungsweg der UrStrom, die „auf Augenhöhe“ Dachanlagen für Gewerbe und Industrie errichtet und das innovative Projekt „E-Carsharing in Bürgerhand“ auf den Weg gebracht hat.

Leuchttürme für soziales Unternehmertum

Es gebe bei vielen Bürgerenergiegenossenschaften aktuell keine Aufbruchstimmung, so Torsten Schwarz, Vorstand des Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. Viele seien müde, ratlos. Durchhaltevermögen sei eine der Kernkompetenzen. „Doch es sind viele aktive junge Menschen auf der Straße. Und einige Energiegenossenschaften entwickeln sich erfolgreich weiter.“ Mit dem aktuellen Projekt „Mehr Klimaschutz durch Bürgerenergiegenossenschaften“ wolle das Netzwerk mit einem längerfristigen Coaching ausgewählter Genossenschaften zu Leuchttürmen für andere Genossenschaften beitragen. „Wir müssen ins Handeln kommen. Energiewende ist eine Handlungswende“, beendete Dietmar von Blittersdorff die Veranstaltung.

Das Netzwerk Energiewende Jetzt fördert in Weiterbildungen und innovativen Projekten die Gründung und Weiterentwicklung von Energiegenossenschaften sowie die Kompetenzen von Verantwortlichen in Bürgerenergiegesellschaften. Hier sind die wichtigsten Meilensteine der letzten zehn Jahre aufgeführt. https://www.energiegenossenschaften-gruenden.de/preise.html