Pfälzer Energiegenossenschaften im Austausch

Die Verantwortlichen der sechs Energiegenossenschaften aus der Pfalz Foto: LaNEG

Zu einem Netzwerktreffen kamen Anfang Februar unsere sechs Pfälzer Energiegenossenschaften in Herxheim zusammen: bINe – Bürger in Energie eG, NordpfalzEnergie, BEGIN, BEnSüdpfalz, BEG Südwest und BELU. Sie tauschten sich intensiv über Projekte, Perspektiven und politische Rahmenbedingungen der Energiewende aus. 

Trotz vieler Erfolge: Zahlreiche Hürden bremsen Tempo aus

Auch wenn die Genossenschaften Erfolge verzeichnen können, wurde in den Gesprächen deutlich, dass viele Faktoren die Entwicklung der Bürgerenergie weiterhin ausbremsen.

Dazu zählen hohe bürokratische Anforderungen und langwierige Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen ein stockender Netzausbau sowie der nur schleppend voranschreitende Smart-Meter-Rollout. Auch der fehlende standardisierte elektronische Datenaustausch – etwa bei Mieterstromprojekten – erschwert die Umsetzung vieler Vorhaben. Gleichzeitig fehlten ausreichende Anreize für Verteilnetzbetreiber, den Netzausbau schneller voranzubringen.

Weitere Kritikpunkte waren unklare rechtliche Rahmenbedingungen, die unter anderem dazu geführt haben, dass der Markt für private Dach-Photovoltaikanlagen stark eingebrochen sei. 

Wünschenswert wäre weiterhin ein Bürgerbeteiligungsgesetz in Rheinland-Pfalz und mehr Transparenz über kommunale Einnahmen aus Anlagen erneuerbarer Energien. Ein Problem sind auch die weiterhin sehr hohen direkten und indirekten Subventionen für fossile Energien.

In der Diskussion: alte und neue Geschäftsmodelle 

Sowohl die bINe als auch die BEn Südpfalz berichteten über mehrere Projekte im Bereich der Windenergie, die sich in unterschiedlichen Planungs- und Entwicklungsphasen befinden. Hier wollen sich die Pfälzer Genossenschaften untereinander über mögliche Beteiligungen austauschen. 

Zudem streben die Pfalzwerke eine genossenschaftliche Beteiligung an einer Photovoltaik-Freiflächenanlage mit rund neun Megawatt-Peak (MWp) in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A6 an und haben hierzu die bINe kontaktiert. 

Pachtmodelle mit Kommunen, wie etwa das der BEn Südpfalz, wurden ebenfalls besprochen, auch mit Blick auf kommunale Bilanzkreismodelle, wie etwa von der Gemeinde Jockgrim und den Pfalzwerken. Der Vorteil: Dächer für PV werden auch von Gebäuden nutzbar, die keinen Eigenverbrauch haben. 

Überdies beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Mieterstrom sowie mit dem Thema Energy Sharing. Derzeit nehmen die bINe und die BEnSüdpfalz an einem Coaching des Netzwerks Energiewende Jetzt teil. 

Die bINe befasst sich in diesem Zusammenhang mit der Plattform WeShareEnergy, einem Full-Service-Anbieter für Stromgemeinschaften. WeShareEnergy übernimmt energiewirtschaftliche Aufgaben von der Stromlieferung bis hin zu automatisierten Abrechnungsprozessen.

Die BEGIN berichtete von einem erfolgreichen Mieterstromprojekt in Haßloch (29,7 kW Peak, 20 kWh Speicher). Dank Summenzählermodell profitieren die Mieter von besonders günstigen Tarifen. Voraussetzung ist Einigkeit über den externen Stromlieferanten. Besonders attraktiv wird das Modell in Kombination mit Wallboxen oder Wärmepumpen – je höher der Eigenverbrauch, desto wirtschaftlicher das Projekt. 

Als mögliche Zielgruppe wurden auch Hausverwaltungen genannt. Allerdings zeigten diese bislang nur wenig Interesse an solchen Modellen, häufig aufgrund fehlender personeller Ressourcen oder mangelnden Know-hows.

Was Geschäftsmodelle mit Batteriespeichern angeht, fehlt es aktuell noch an Erfahrungen. Überdies erschweren Probleme mit Blick auf Netzanschlüsse und Redispatch-Regelungen Investitionen. 

Wärme-Contracting für Eigentümergemeinschaften

Neue Wege geht die BEnSüdpfalz mit einem Wärme-Contracting-Modell, insbesondere für Wohnungseigentümergemeinschaften. Die Genossenschaft übernimmt die Energieberatung und Planung, Installation und Wartung erfolgen durch Fachbetriebe.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer bietet dieses Modell mehrere Vorteile: Durch eine Energieberatung können Heizkosten deutlich gesenkt werden. Zudem ist der Einbau einer Wärmepumpe ohne eigene Investition möglich, da Fördermittel an den Investor fließen (mit Ausnahme des Geschwindigkeitsbonus). Perspektivisch soll auch die Integration von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern möglich sein, um eine weitgehend vollständige Energieversorgung anzubieten. Gerade für Eigentümer, die hohe Investitionskosten scheuen oder nicht aufbringen können, eröffnet dieses Modell neue Möglichkeiten. 

Weitere Themen waren Nahwärme, Ladesäulen sowie der Umgang mit Bürgerinitiativen, etwa gegen Windparks. Auch wurde darüber diskutiert, wie Energiegenossenschaften jüngere Generationen besser erreichen können.