Geschäftsfelder von Energiegenossenschaften

Energiegenossenschaften sind in vielen Geschäftsfeldern und mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen unterwegs. Hier bieten wir Ihnen einen Überblick über aktuelle Geschäftsfelder. Detailliertere Einschätzungen bieten die Publikationen Geschäftsmodelle sinnvoll entwickeln und die Wertschöpfung steigern (BBEn, 07/2022) und Geschäftsmodelle für Bürgerenergiegenossenschaften. Markterfassung und Zukunftsperspektiven (08/2016).

Erfolgreiche Beispiele von Energiegenossenschaften aus Rheinland-Pfalz finden Sie in der Rubrik Best Practices sowie in der Broschüre Mehr Klimaschutz durch Teilhabe – Erfolgsbeispiele von Bürgerenergiegenossenschaften in Rheinland-Pfalz (8/2020).

Broschüre "Geschäftsmodelle sinnvoll entwickeln und die Wertschöpfung steigern" (7/2022)
Broschüre "Mehr Klimaschutz durch Teilhabe – Erfolgsbeispiele von Bürgerenergiegenossenschaften in Rheinland-Pfalz" (08/2020)

Stromerzeugung aus Photovoltaik

Aufdachanlagen

Energiegenossenschaften können günstigen Ökostrom direkt vom Dach liefern. Direktverbrauch, Pachtmodell oder Mieterstrom bieten wirtschaftlich attraktivere Möglichkeiten als die Einspeisung gegen EEG-Vergütung. Auch der Verkauf von PV-Anlagen an Privatpersonen, Unternehmen oder Kommunen ist möglich. Wenn die Energiegenossenschaft Projektierung, Einkauf und Bau selbst übernimmt, steigert sie die Wertschöpfungstiefe. Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Vertrieb von Balkonsolaranlagen. Einige Energiegenossenschaften bauen die Anlagen auch mit Freiwilligen (sog. Solar-Selbstbau, mehr dazu im Handbuch Gemeinschaftlicher Solar-Selbstbau in Deutschland).

Freiflächenanlagen

PV-Freiflächenanlagen erzeugen ein Vielfaches an Strom im Vergleich zur Dachanlage. Als Akteure aus der Region können Energiegenossenschaften mit lokaler Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung punkten und so Flächeneigentümer*innen, Anwohner*innen und Kommunen überzeugen. Einige Energiegenossenschaften realisieren Freiflächenanlagen von der Flächensicherung bis zum kaufmännischen und technischen Betrieb selbst, andere beteiligen sich an Betreibergesellschaften, etwa in Kooperation mit Kommunen oder Stadtwerken.

Faltblatt "Solarstrom ohne Aufwand und Invest: Unternehmen nutzen Know-How und Kapital von Bürgerenergiegenossenschaften" (11/2023)
Leitfaden "Roadmap für Freiflächen-Photovoltaik – Leitfaden für Bürgerenergiegenossenschaften" (12/2022)
Leitfaden "PV-Anlagen auf kommunalen Dächern: Betreibermodelle mit Beteiligung von Bürgerenergiegemeinschaften" (5/2025)

Stromerzeugung aus Windkraft

Windkraftanlagen haben einen hohen Wirkungsgrad und entsprechend ein hohes Renditepotenzial. Aufwand und Anforderungen sind aber auch entsprechend höher als bei PV-Anlagen. Bei Bürgerwindrädern beteiligen sich Energiegenossenschaften meist an der Betreibergesellschaft eines Windparks oder übernehmen eine oder mehrere Windkraftanlagen nach der Fertigstellung. Die umfangreichen Vorplanungen, Genehmigungsverfahren, Projektierung und Bau übernehmen häufig Projektierer. Die Beteiligung der Genossenschaft führt zu mehr Akzeptanz und einer höheren Wertschöpfung vor Ort.

Stromverkauf

Gemeinsam Erzeugtes gemeinsam nutzen, Schritt für Schritt die Kreisläufe schließen: Die Lieferung von Strom rundet das Angebot von Energiegenossenschaften für ihre Mitglieder und die Bevölkerung in der Region ab. Einen eigenen Stromtarif für Endkund*innen können Energiegenossenschaften u.a. mithilfe der unabhängigen Dachgenossenschaft Bürgerwerke eG anbieten. Die Bürgerenergie Bayern e.V. kooperiert beim „bavariastrom“ mit dem Grünstromwerk, einer Tochter der Naturstrom AG.

Nahwärme

Eine Energiewende ist nur mit Wärmewende möglich. Es gibt einige Erfolgsgeschichten einer Wärmewende in Bürgerhand, auch wenn Nahwärmeprojekte komplex sind und in der Regel eine lange Vorlaufzeit haben. Potenziale für eine nachhaltige Versorgung mit unterschiedlichsten Wärmequellen sind reichlich vorhanden – von Biogas über Umgebungswärme (Luft, Wasser, Boden) und Solarthermie bis zu industrieller Abwärme. In den letzten Jahren wurde eine genossenschaftlich organisierte Nahwärmeversorgung insbesondere in Dörfern und Kleinstädten realisiert. Im Zuge der Kommunalen Wärmeplanung müssen größere Städte Bürgerenergiegemeinschaften als mögliche Anbieter berücksichtigen.

Faltblatt "Regionale Wärme, starke Gemeinschaft! Wärmewende durch Energiegenossenschaften" (09/2025)
Gutes Beispiel: Die Heizzentrale der Energiegenossenschaft Kappel eG (Link zum Portrait) © Energiegenossenschaft Kappel eG
Gutes Beispiel: Die Dorfwärme Marienthal der Eifel Energiegenossenschaft eG (Link zum Bericht) Foto: Eifel Energiegenossenschaft eG © Eifel Energiegenossenschaft eG

Elektromobilität und Sharing-Angebote

Elektromobilität verbindet direkt die bisher getrennten Energie- und Verkehrswelten.

Ladeinfrastruktur

Einige Energiegenossenschaften bauen und betreiben öffentliche Ladesäulen für e-Mobilität oder verkaufen Ladesäulen an Kund*innen. Das erhöht zugleich die Sichtbarkeit der Genossenschaft im öffentlichen Raum.

e-Carsharing

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Bürgerenergiegenossenschaften, die e-Carsharing-Projekte realisieren. Das Geschäftsfeld e-Carsharing ist komplex und recht aufwendig in der Betreuung, daher haben sich im August 2020 einige zu einer Dachgenossenschaft, der Vianova eG zusammengeschlossen. E-Carsharing erhöht die Sichtbarkeit der Genossenschaft und bietet einen unmittelbaren Nutzen für die Mitglieder.

Andere Sharing-Angebote

Der Verleih von e-Lastenrädern ist insbesondere in dichter besiedelten Stadtteilen eine Möglichkeit, das Mobilitätsangebot zu ergänzen.

Leitfaden "Gemeinsam mobil: Zusammen planen und umsetzen" (8/2023)
Gutes Beispiel: Das Car-Sharing der Bürgerenergie Rhein-Sieg eG (Link zum Bericht) Foto: BürgerEnergie Rhein-Sieg eG © Bürger-Energie Rhein-Sieg eG
Gutes Beispiel: Die UrStrom eG hat auch Leih-Lastenräder im Angebot (Link zum Bericht) © UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG

Energieeffizienz und Contracting

Einige Energiegenossenschaften erschließen sich mit Contractingmodellen die zweite Säule der Energiewende, die Energieeffizienz. Das Einsparpotential an Energie in Deutschland ist riesig. Genossenschaften planen, finanzieren und realisieren Energieeinsparmaßnahmen für bspw. Kommunen und partizipieren im Gegenzug an erzielten finanziellen Einsparungen.