„Dreh- und Angelpunkt sind die Grundstückseigentümer“

Zum Mitglied: eegon Eifel Energiegenossenschaft eG

(c) Felix Bullik
(c) Felix Bullik

Die eegon - Eifel Energiegenossenschaft eG macht seit vielen Jahren erfolgreich Windenergieprojekte. Vorstand Johannes Pinn im Gespräch über die Entwicklungsschritte und wie Bürgerenergiegenossenschaften das Geschäftsfeld Windenergie heute angehen können.

Seit wann macht Ihr Windprojekte?
Johannes Pinn. Wir haben seit 2012 immer wieder neue Beteiligungen an Windenergiegesellschaften umgesetzt. Unsere bisherigen Beteiligungen sind sehr lukrativ. Doch wir haben teilweise auch sehr hohe Aufpreise bezahlt um uns an fertigen Projekten zu beteiligen. 

Wie seid Ihr an die Projekte gekommen?
Jüngstes Beispiel ist der Bürgerwindpark Scheid. Durch einen Zeitungsartikel haben erfahren, dass ein Projektierer bei uns im Landkreis Vulkaneifel ein Repoweringprojekt  durchführt und ein neues Regionalbüro eröffnet. Es werden vier ältere durch zwei neue moderne Anlagen ersetzt. Wir haben Kontakt zu dem Leiter des neuen Regionalbüros aufgenommen und unser eegon-Bürgerbeteiligungsmodell vorgestellt, über das sich Bürger*innen aus Scheid und der Region niedrigschwellig am Projekt beteiligen können. Wir würden die Bürgerbeteiligung organisieren und als eegon Kommanditist an der Betreibergesellschaft werden. Das erhöht die Akzeptanz und das Vertrauen in das Projekt. Dieses Konzept hat den Projektierer überzeugt und so konnte die eegon sich, ohne Aufschlag, beteiligen. 

Habt Ihr auch andere Konstruktionen?
Wir haben auch andere Beteiligungen ohne Aufpreis, wo das Konsortium von Anfang an direkt mit hohem bürgerschaftlichem Engagement geplant hat. Das ist durch Kontakte zu WindkraftPionieren aus der Region Bitburg-Trier entstanden, die schon seit über 30 Jahren Windenergie machen. Sie haben die Kommanditisten immer in der räumlichen Umgebung gesucht. Die klassische Gesellschaftsform ist eine GmbH & Co KG, Ziel ist es, die Zahl der Gesellschafter möglichst gering zu halten und über die Kommanditbeteiligung einer Bürgerenergiegenossenschaft eine Vielzahl an Bürgern an den Projekten zu beteiligen.

Wann seid Ihr selbst in die Projektakquise gegangen?
Wir haben inzwischen sechs Windenergiebeteiligungen. Du lernst aus jeder Beteiligung, erfährst wie die Erträge sind, wo die Knackpunkte, auf was es ankommt. Das war auch der Grund, warum wir 2019 gesagt haben: Wir gehen selbst in die Projektakquise.

Zudem haben uns Mitglieder angesprochen und wir haben den Auftrag bekommen, Standorte zu prüfen. So hat uns auch die Stadt Sinzig am Rhein gebeten die Windenergiepotenziale in ihrem Stadtwald zu prüfen. Nachdem die erste Flächenanalyse zu einem positiven Ergebnis kam, haben wir im September 2023 mit der Stadt Sinzig den Pachtvertrag unterschrieben und mit der konkreten Projektierung begonnen.

Wie macht Ihr in Sinzig die Projektierung?
Wir haben die E-Regio Energiekonzepte aus Euskirchen beauftragt, das Projekt für uns zu entwickeln, die Gutachten zu erstellen, die BImSchG-Genehmigung vorzubereiten usw. Jetzt sind wir mit vier Anlagen kurz vor der Genehmigung. Mit der E-Regio haben wir auch schon vorher mehrere Beteiligungen realisiert und gute Erfahrungen gemacht. Wir sind Generalunternehmer und gründen für das Projekt eine eigene Bürgerwind-GmbH & Co. KG. Unser Ziel ist es mit 51 Prozent Anteilen an der Gesellschaft weiter die Richtung im Sinne der Bürgerenergie vorzugeben. Weitere Kommanditisten können dann z.B. unsere Stromabnehmer und auch die Stadt Sinzig, als Flächeneigentümer sein.

Von 2019 bis heute sind eine lange Zeit
Man braucht einen unwahrscheinlich langen Atem und auch erhebliche Finanzreserven, um das darstellen zu können. Wir haben in den Windpark bis heute etwa eine Million investiert.

Wie habt Ihr das Projekt bis heute finanziert? Habt Ihr Rücklagen, sammelt ihr Geld ein?
Der überwiegende Teil wurde aus den Gewinnausschüttungen unserer bisherigen Beteiligungen bestritten. Im vergangenen Jahr haben wir zusätzlich von unseren Mitgliedern ein Nachrangdarlehen in Höhe von einer Million Euro für unsere Projektentwicklung erhalten. 

Beim Windpark in Sinzig reden wir am Ende über eine Investitionssumme von über 40 Millionen, die zu finanzieren ist. Wir hoffen, dass es uns gelingt, die nötigen Summen zu beschaffen. Aktuell können wir dabei auf unsere fast 1.400 Mitglieder vertrauen. Wenn wir die BImSch-Genehmigung vorliegen haben und es an die Umsetzung des Projektes geht, werden wir aber auch aktiv, mit Infoveranstaltungen  in die Mitgliederakquise gehen müssen um das zu stemmen.

Lohnt sich das Projekt in der aktuellen Situation noch?
Die Wirtschaftlichkeit ist nicht üppig im Moment. Fremdkapitalzinsen steigen, Baukosten steigen, die Zuschlagswerte in den EEG-Ausschreibungen sinken, sie sind überzeichnet. Da liegen wir unter fünf Prozent Rendite. Der Vorteil an dem Standort am Rhein ist, dass wir dort eine sehr gute Netzanbindung haben und im Hinblick auf die notwendige Direktvermarktung viele potentielle Stromkunden vor Ort haben.

Wie kommt Ihr in den Kontakt mit Grundstückseigentümern?
Bei uns melden sich mittlerweile Flächeneigentümer: "Könnt ihr euch meine Fläche mal angucken?“ Das ist ein Ergebnis von jahrelanger Arbeit. Wir sind bekannt, gut vernetzt, haben erfolgreiche Projekte umgesetzt. Das spricht sich herum in der Region.

Was empfiehlst Du einer Genossenschaft, die jetzt mit dem Thema Wind anfangen will. 
Dreh und Angelpunkt sind meiner Erfahrung nach die Grundstückseigentümer, sowohl private als auch kommunale – und ob es gelingt, diese für die Bürgerenergie zu begeistern.  

Man muss aktiv den Dialog mit den Grundstückseigentümern suchen. „Wenn dir die Beteiligung der Bürger*innen wichtig ist, dann lass uns zusammenarbeiten. Die Eigentümer haben vor Abschluss des Pachtvertrages den längsten Hebel gegenüber den Projektierern.Diese bekommen nur dann das Grundstück, wenn eine Bürgerbeteiligung über eine Bürgerenergiegenossenschaft vereinbart wird.  Solange es noch keinen Pachtvertrag gibt, sind die Vertragspartner sehr beweglich.

Das heißt, aktiv Vertrieb zu machen?
Es ist wichtig durch positive Nachrichten die Aufmerksamkeit in der Region zu erlangen.  Die Grundstückseigentümer oder die Kommune als Eigentümer zu überzeugen ist Aufgabe der Energiegenossenschaft. Die Eigentümer kommen nicht von allein drauf. 

Wo siehst Du die Risiken?
Eine eigene Projektierung mit geringer Erfahrung und ohne eine größere freie Finanzen sehe ich kritisch. Man muss sich den Projektierer genau anschauen. Verhandeln wir auf Augenhöhe? Kann man vernünftige Rahmenbedingungen vereinbaren? Geht man gemeinsam ins Risiko? Bei einem neuen Projekt würde ich heute auf jeden Fall das Risiko teilen, also z.B. mit dem Projektentwickler direkt eine Gesellschaft gründen. So geht dieser auch ins Risiko und hat den Ansporn, das Projekt zügig zu realisieren und die Kosten flach zu halten.

Wie siehst Du die aktuelle Situation? Die Regierung plant gerade ein umstrittenes Netzpaket 
Im Moment hat die gesamte Brache eine Durchhängephase, bei der Wirtschaftlichkeit, dem Netzausbau, Speichern, gesetzlichen Regeln und so weiter. Es hängt an der Stromeinspeisung, der Netzanbindung. Hier in der Eifel sind die Netze pickepackevoll. Der Ausbau geht nicht recht voran. Da muss dringend etwas passieren.

Was macht Dich trotzdem optimistisch
Ich weiß, dass wir das Richtige tun und bin absolut davon überzeugt, dass es zu einer 100-% erneuerbaren Energieversorgung keine vernünftige und auch keine wirtschaftlichere Alternative gibt. Der Eine oder die Andere brauchen halt etwas länger, um das zu erkennen, dementsprechend brauchen wir halt viel Geduld und einen langen Atem.

Vielen Dank für das Gespräch

Kontakt
eegon - Eifel Energiegenossenschaft eG
Higis Ring 2 54578 Wiesbaum
Vorstand: Johannes Pinn, Monika Seifen, Martin Pütz
Tel.: (Büro): 06593/996 82 80; Johannes Pinn: 0170/2885715
E-Mail: info(at)eegon.de