E-Carsharing im Veedel

Zum Mitglied: BürgerEnergie Rhein-Sieg eG

Car-Sharing-Elektroauto der BürgerEnergie Rhein-Sieg eG Foto: BürgerEnergie Rhein-Sieg eG Copyright: Bürger-Energie Rhein-Sieg eG

Die Bürger-Energie Rhein-Sieg eG spricht die Menschen dort an, wo sie wohnen. Direkt im Quartier oder im Dorf. „Die Alternative muss sichtbar sein“, sagt Vorstand Thomas Schmitz.

Veedel, das ist das rheinische Wort für Quartier oder Stadtviertel. Die Umgebung, wo man sich verbunden fühlt. In einem „Veedel“ in Sechtem hat die BürgerEnergie Rhein-Sieg eG Ende 2018 ihr erstes E-Carsharingprojekt gestartet. In dem Stadtteil von Bornheim steht ein Elektro-Fahrzeug mit 41 kW Akku direkt gegenüber der katholischen Kirche.

„Unsere Elektroautos fahren leise und CO2-frei – natürlich mit unserem regionalen Ökostrom aus Bürgerhand“, sagt Thomas Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Bürgerener-giegenossenschaft mit Sitz in Siegburg. „Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, die Mobilitätswende selbst in die Hand zu übernehmen – für ein besseres Klima und ein gutes Gefühl.“

In Sechtem hat es fünf Monate vom Konzept bis zur Umsetzung gedauert. Zuerst waren es fünf Personen, beim zweiten Treffen mit den Verantwortlichen der BürgerEnergie waren es schon 15 Interessenten. Der Sechtemer Ortsvorsteher Rainer Züge und Bornheims Bür-germeister Henseler unterstützten das Projekt von Anfang an und halfen bei der Suche nach einem geeigneten Standort. Beim Start Im Dezember hatten sich sieben Nutzer registriert, aktuell sind es über 20. Interessenten schicken eine Mail, wählen ihren Wunsch-tarif und werden in das Carsharingprojekt eingeladen. Über eine App buchen sie das Auto für die gewünschte Zeit. Gelegenheitsfahrer bezahlen keine Grundgebühr, dafür fünf Euro pro Stunde Nutzung und 0,30 Euro pro gefahrenem Kilometer. Beim Vielfahrer-Tarif liegt die Stundengebühr nur bei einem Euro und einem Grundtarif von 20 Euro im Monat.

Die Idee: Das Auto im Veedel

Die Energiegenossenschaft will eine praktikable Alternative schaffen für die Menschen im Wohnviertel, die sich den Wagen für ihre Fahrten im täglichen Leben teilen. Der Entscheidungsprozess für ein Verkehrsmittel beginne 200, 300 oder 400 Meter von daheim entfernt. „Daher stellen wir das Auto dorthin, wo es jeder im Blick hat: ins Veedel“, so Thomas Zwingmann, ebenfalls Vorstand der eG. So werde ein Anreiz geschaffen, auf das eigene Auto zu verzichten oder zumindest das Zweitauto abzuschaffen. Viele Zweitwagennutzer fahren gerade mal 5000 Kilometer im Jahr oder 100 km in der Woche. Den Kauf des Fahrzeugs und die laufenden Unterhaltskosten können sich E-Carsharingnutzer sparen. Im ländlichen Raum kann das E-Carsharing auch eine Alternative bei schlechtem Öffentlichen Nahverkehr sein.

Die BürgerEnergie Rhein-Sieg eG wird nur dort aktiv, wo sich Menschen mit ernsthaftem Interesse zusammenfinden. „Wir identifizieren die Standorte, stellen das Konzept in der Öffentlichkeit vor und rufen Bürgerinnen und Bürger auf, aktiv zu werden“, erläutert der Vorstandsvorsitzende Schmitz. Findet sich eine Gruppe zusammen, geht es in gemeinsamen Gesprächen um die Umsetzung. Denkbar sind auch Modelle, bei denen sich drei oder vier Nachbarn ein Fahrzeug teilen.

Nach den Berechnungen der Energiegenossen lohnt sich ein Standort, wenn mit dem Fahrzeug mindestens 8.000 bis 10.000 Kilometer im Jahr gefahren werden. Der Renault ZOE in Sechtem ist geleast, die Ladesäule wird über Nachrangdarlehen der Mitglieder finanziert. Zurzeit ist das E-Carsharing noch ein Zuschussgeschäft für die Bürgerenergie, doch auf lange Sicht soll das Projekt wirtschaftlich betrieben werden.

Die Idee soll Kreise ziehen

Vor dem ersten Projekt in Sechtem stand eine gründliche Vorbereitung. Etwa 750 mögliche Standorte in Wohnquartieren, Stadtteilen oder Dörfern im Rhein-Sieg-Kreis haben die Energiegenossen identifiziert. So hoch sei das Potential, das sich Bürgerenergie sichern könne. Etablierte Carsharinganbieter sind auf dem Land und in Wohnquartieren noch nicht aktiv, weil es sich für sie derzeit nicht rechnet.

Über Ihre Netzwerke, Infostände und Pressearbeit hat die BürgerEnergie Rhein-Sieg eG auf das „E-Carsharing im Veedel“ aufmerksam gemacht. „Wir hinterlassen einen positiven Eindruck und haben als Energiegenossenschaft den ‚grünen Stempel‘, einen Vertrauensvorschuss“, so Schmitz. Die Menschen seien interessiert, doch es brauche viele Gespräche, viel Zuversicht und einen langen Atem, um die Idee auf den Weg zu bringen. Der hohe Aufwand bringt die ehrenamtlichen Vorstände schon mal an ihre zeitlichen Grenzen.

Derzeit ist die Genossenschaft mit weiteren Interessenten im Rhein-Sieg-Kreis im Gespräch, Anfragen gibt es auch aus dem angrenzenden Oberbergischen Kreis. Die Siegburger Energiegenossen haben auch schon Kontakt zu Vorstandskollegen von Bürgerenergiegenossenschaften (BEGen) im Köln-Bonner-Raum aufgenommen. Mit den Genossenschaften im Rhein-Main-Gebiet besteht ein regelmäßiger Informationsaustausch. Je mehr BEGen das Modell adaptieren, umso größer kann eine genossenschaftliche E-Carsharingstruktur werden. Auf europäischer Ebene ist der Zusammenschluss schon gelungen. Ende 2018 hat sich die „The Mobility Factory SCE“ gegründet, die Dachorganisation der europäischen E-CarSharing Genossenschaften. Die Perspektive: Eine gemeinsame professionelle E-CarSharing Plattform mit App für Nutzer, CarSharing Management (Nutzerverwaltung, Buchung usw.) und Abrechnungssystem. Die BürgerEnergie Rhein-Sieg wird in Kürze Mitglied der Dachgenossenschaft.