Gemeinsam Solaranlagen selbst bauen

Zum Mitglied: UrStrom Bürgerenergie eG

Mitglieder der UrStrom eG montieren die Paneele (Foto: UrStrom eG) Copyright: UrStrom eG
Die Anlage ist fertig! (Foto: UrStrom eG) Foto: UrStrom eG

Auf dem Dach des Wohnprojekts 49° Nord in Mainz haben Freiwillige in einem Selbstbau-Workshop eine Solaranlage installiert. Angeleitet wurde das Projekt von UrStrom eG und der BürgerEnergie Mainspitze durch die Selbstbaupionier*innen von Solocal-Energy.

Zwei Tage lang haben zehn Selbstbauer*innen auf dem Dach des Wohnprojektes 49° Nord 150 PV-Module angeschraubt, Leitungen verlegt und verbunden und die Anlage getestet. „Ich fand das superspannend und habe viel gelernt, ich bin ja kein Techniker“, sagt UrStrom-Vorstand Florian Grohs über das gemeinsame Bauen. „Es war ein gutes Gefühl, das zusammen zu machen und ein schöner Austausch unter Gleichgesinnten.“ Man müsse genau arbeiten, schließlich habe man mit 1000 Volt Spannung zu tun.
Fachkundig angeleitet wurden die Freiwilligen durch ein Team von SoLocal Energy e.V. aus Kassel. Solocal Energy gehört zu den Pionier*innen der Selbstbaubewegung in Deutschland und hat schon zahlreiche Selbstbau-Projekte realisiert. Solocal Energy führten die Sicherheits-einführung durch, erläuterterte, wie eine große PV Anlage aufgebaut und angeschlossen wird, plante die Arbeiten, teilte die Gruppen ein usw.

Die PV-Anlage wird auf dem Dach des Wohnprojektes mit einer besonderen Gründach-Aufständerung errichtet, die Unterkonstruktion war bereits fertig. Ausführender Solarteur ist die Firma inek GmbH aus Bischofsheim, die auch die Bauleitung und die Gewährleistung übernimmt. „Der Chef der Firma, Alexander Espenschied, ist Mitglied bei uns und hat die Selbstbauidee mit offenen Armen unterstützt“, sagt Vorstand Grohs.

Ökologisch und nachhaltig bauen

Die 49°Nord Baugemeinschaft baut in ihrem Wohnprojekt in Mainz-Weisenau in KfW40 plus Standard. Teil des Konzeptes ist die 57 kWp-Photovoltaikanlage und ein Batteriespeicher, der in Spitzenzeiten überschüssige Energie speichert. Geheizt wird mit Strom über Infrarotheizkörper. Durch den hohen Strombedarf wird der Eigenverbrauch des günstigen Sonnenstroms 70 Prozent betragen, schätz UrStrom. Als technische Innovation wird ein virtueller Summenzähler eingesetzt. Mussten bislang in der Regel physische Summenzähler installiert werden, so können künftig nun auch intelligente Messsysteme, also Smart Meter, eingesetzt werden. Sie erfassen die Photovoltaik-Erzeugung und den Stromverbrauch der Kund*innen innerhalb einer Liegenschaft digital und aggregieren die Daten dann mittels Software. Das Konzept senkt die Kosten pro Netzanschluss und es können in vielen Mehrfamiliengebäuden Mieterstrom-Projekte wirtschaftlich umgesetzt werden.

Durch den Selbstbau wird das Projekt um einige 1000 Euro günstiger. Angesichts des hohen Eigenverbrauch schätzt UrStrom, dass sich die Investition in zehn Jahren amortisiert.

Menschen aktiv an der Energiewende beteiligen

Die UrStrom hat viele aktive ehren-amtliche Mitglieder, einige hatten schon ihr Interesse gezeigt, am Bau von PV-Anlagen mitzuwirken. So sich fünfzehn Mitglieder am zweitägigen Selbstbau-Projekt, auch zwei Personen aus dem Wohnprojekt bauten mit „Wir waren sogar schneller fertig als geplant und hatten Zeit für extra Inhalte, wie das richtige Absichern auf Schräg-dächern oder das Für und Wider von Speichern“, sagt Florian Grohs.

Angesichts des Fachkräftemangels ist der Selbstbau eine Option und es aktiviert Menschen für die Energiewende. Doch es müsse auch passen, meint Vorstand Grohs. Es brauche ein gutes Zusammenspiel von Dacheigentümern, Solarteur, interessierten Mitgliedern und der Selbstbau-Workshopleitung. In Weisenau hat es gut gepasst.