„Wir wollten ein reales Bürgerwindrad“

Zum Mitglied: SOLIX Energie aus Bürgerhand Rheinhessen eG

Die SOLIX ENERGIE aus Bürgerhand Rheinhessen eG betreibt eine Windenergieanlage auf kommunalem Grund. Sie finanzierte das Eigenkapital über Genossenschafts-anteile. Die Zusammenarbeit mit dem Verkäufer ABO WIND verlief auf Augenhöhe.

Anfang November 2015 unterzeichnete die SOLIX ENERGIE „nach sorgfältiger Überlegung und gründlicher Prüfung“ einen sogenannten Anteilskaufvertrag zur Errichtung einer Windenergieanlage (WEA) in Lahr im Hunsrück. 2016 wurde das Bürgerwindrad in Betrieb genommen. Für die SOLIX-Verantwortlichen ein Beispiel gelungener Kooperation von Projektierer, Kommune und Bürgerenergiegenossenschaft.

Für die SOLIX ENERGIE war klar, dass sie nur ein Windrad erwirbt, das auf kommunalem Grund steht. „Wir wollen die regionale Wertschöpfung fördern und nicht einzelne Flächenbesitzer“, sagt Petra Gruner-Bauer. Die 41.000 Euro jährliche Pacht fließt nun der kleinen Ortsgemeinde Lahr im Hunsrück mit etwa 170 Einwohnern zu. 2011 hatte ABO Wind mit der Gemeinde einen Vertrag über die Nutzung der Windkraft abgeschlossen, der Gemeinderat stimmte dem einstimmig zu.

Schon 2013 hat sich die SOLIX im Rahmen des Repowering des rheinhessischen Windparks in Framersheim an einem Windprojekt der Betreiberfirma ABO Invest beteiligt. „Diese Anteile wollten wir in ein reales Windrad umwandeln“, so Vorstandvorsitzende Petra Gruner-Bauer. Die SOLIX eG nahm 2014 Kontakt mit der ABO Wind AG auf. Der Projektierer fand die Idee und den Ansatz der Bürgerenergiegenossenschaft gut.

Genossenschaftsverband prüft das Projekt sorgfältig

Machen wir das Richtige? Ist das ein reeller Preis? Stimmen die Ertragsprognosen? Natürlich gab es zu Beginn Unsicherheit. Dem Vorstand war klar, dass es externer Expertise vor dem Kauf bedarf. Die fand die SOLIX bei Björn Burgey vom Genossenschaftverband in Neu-Isenburg, der die Due Diligence Prüfung übernahm. Burgey analysierte Stärken und Schwächen des Projektes, prüfte die Risiken und verfasste einen 70seitigen Bericht, der Grundlage für die Kaufentscheidung war. Während des gesamten Projektes sei der Verband ein verlässlicher Partner gewesen, so Gruner-Bauer im Rückblick.

Eine Million Eigenkapital einwerben

Die größte Hürde schien, eine Million Euro an Eigenkapital aufzubringen. Auch Banken vor Ort trauten das der Energiegenossenschaft nicht zu. Die Mitglieder der SOLIX hatten sich auf einer außerordentlichen Generalversammlung gegen Nachrangdarlehen entschieden und für die Finanzierung über Geschäftsanteile. 10 Anteile á 100 Euro sind der Mindestbetrag, 500 Anteile die obere Grenze für eine Mitgliedschaft.

Im Sommer und Herbst 2015 informierten SOLIX und ABO WIND die Bürgerinnen und Bürger der Region in Veranstaltungen über das Projekt – die SOLIX gewann 15 Mitglieder im Hunsrück, darunter die Ortsgemeinde, die auch über die zukünftige Dividende an den Gewinnen des Windrades beteiligt ist. Gerechnet hatte die SOLIX mit mehr Resonanz in und um Lahr. „Wir haben die Klinken geputzt und wollten mehr Mitglieder gewinnen, doch hatten wir vor Ort noch keinen Vertrauensvorschuss.“ Dafür konnten durch Aktivitäten in der Verbandsgemeinde Wörrstadt, dem Sitz der eG, neue Mitglieder gewonnen und bestehende zur Aufstockung ihrer Anteile bewegt werden. Da der Vertrag mit der ABO WIND AG eine Zeitspanne bis Ende Juni 2016 zur Erfüllung vorsah, wurde das erforderliche Kapital punktgenau eingeworben.

Die Unternehmensstruktur

Die SOLIX wollte das Risiko des Windkraftprojektes aus der Genossenschaft auslagern und entschied sich für die übliche Gesellschaftsform einer GmbH & Co. KG als 100prozentige Tochter der Energiegenossenschaft. Ein weiterer Vorteil dieser Entscheidung: Sämtliche Verträge der Projektierungsgesellschaft von ABO WIND (Wegerecht, Kaufvertrag der WEA, Pachtvertrag, Versicherungsverträge usw.) gingen zu 100 Prozent auf die neue Betreibergesellschaft über. Hätte die Genossenschaft das Windrad gekauft, hätte sie sämtliche Verträge umschreiben lassen müssen, was erhebliche Notarkosten nach sich gezogen hätte.

Die SOLIX ENERGIE aus Bürgerhand Rheinhessen eG hat der SOLIX ENERGIE Windpark Lahr GmbH & Co. KG das Eigenkapital von knapp einer Million Euro als Darlehen gegeben. So erzielt die Energiegenossenschaft vom ersten Jahr an Einnahmen über die Zinsen.

Die Betreibergesellschaft schloss mit ABO WIND einen Vertrag über die technische und kaufmännische Betriebsführung ab. „Eine sehr gute Entscheidung“, sagt Petra Gruner-Bauer. Denn bei der neuen Nordex N131 gab es bald Probleme mit der Verschraubung der Rotorblätter, wovon aber nicht nur die SOLIX betroffen war „Die Verhandlungen mit dem Hersteller über Reparatur und Gewährleistung hätten wir nicht leisten können“, so die Vorstandvorsitzende.

Die Energiegenossenschaft erhält die jährlichen Zinsen und kann den steuerlichen Gewinn aus der KG abziehen. Beides trägt zu den Dividenden bei. Außerdem zahlt die Betreibergesellschaft das Darlehen innerhalb von 16 Jahren zurück. Langfristig rechnet die Energiegenossenschaft sehr konservativ mit 4 Prozent Dividende, wobei die Gewinne durch die KG aber höher sind. Schon für 2017 ist Gewerbesteuer an die Kommune fällig, da eine Abschreibungsdauer von 20 Jahren gewählt wurde. Denn die Betriebsgenehmigung wurde ebenfalls für diese Zeit erteilt und auch der Hersteller geht von einer Betriebsdauer von mindestens 20 Jahren aus. Die SOLIX ENERGIE Windpark Lahr Betriebsgesellschaft schließlich ist die geschäftsführende GmbH, deren Geschäftsführerin Petra Gruner-Bauer ist.

Gute Zusammenarbeit mit dem Projektierer

Mit der Zusammenarbeit mit ABO WIND sind die Wörrstadter Energiegenossen zufrieden, auch wenn es am Ende harte Verhandlungen um den Kaufpreis waren. „Wir wurden die ganze Zeit auf Augenhöhe behandelt, hatten nie das Gefühl über den Tisch gezogen zu werden“, so die Vorstandsvorsitzende. Auch die Erfahrungen mit der technischen und kaufmännischen Betriebsführung sind sehr gut. Doch natürlich brauche eine Energiegenossenschaft auf ihrer Seite kompetente externe Fachleute, die wie beim Bürgerwindrad der SOLIX Wirtschaftlichkeitsberechnungen wie alle Verträge im Vorfeld genau prüfen. Zudem sitzen im SOLIX Aufsichtsrat kompetente Fachleute, „die hinter die Kulissen schauen können.“ Zwei Aufsichtsräte betreiben Windräder, ein Diplomfinanzwirt und ein Betriebswirt sind dabei. Im Vorstand arbeitet mit dem Maschinenbauingenieur Matthias Becher, der am Bau des GROWIAN beteiligt war, ein erfahrener Experte mit.

Strom direkt vermarkten

Die SOLIX hat sich zum Ziel gesetzt, die Einnahmen über die Winderträge langfristig nicht über die EEG-Vergütung sondern über die sonstige Direktvermarktung zu erzielen. Die Worrstädter Energiegenossenschaft ist dafür Mitglied der Zentralgenossenschaft regina eG in Neu-Isenburg geworden. „Wir wollen Großkunden gewinnen, die unseren Windstrom direkt abnehmen und sprechen dafür auch Firmen in der Region an“, so Petra Gruner-Bauer.

Aufwand und Erfolge

„Man braucht den Willen das zu tun, muss authentisch bleiben“, sagt Petra Gruner-Bauer rückblickend. Teilweise hat sie als ehrenamtlicher Vorstand 20 Stunden in der Woche in das Projekt Bürgerwindrad gesteckt. „Wir haben uns reingefuchst und zum Beispiel die Wirtschaftspläne studiert und neu aufgesetzt“. Es sei wichtig, die Menschen mitzunehmen. „Das haben wir anfangs unterschätzt, auch bei den eigenen Mitgliedern.“ Das Projekt erklären, Chancen und Risiken vorstellen, die Mitglieder davon überzeugen, dass das Projekt gut geplant ist, sich rechnet. Positiv sei die hohe Lernkurve, die die Verantwortlichen durchlaufen haben. Das wäre beim nächsten Windrad von großer Hilfe. Aktuell steht aber erst einmal ein E-Carsharing-Projekt im Vordergrund.

Hat sich der Aufwand gelohnt? „Auf jeden Fall. Teil der Energiewende zu sein, das Bewusstsein dafür vor Ort mit zu verändern, für die regionale Wertschöpfung zu sorgen und mit Gleichgesinnten nachhaltig Projekte realisieren zu können, ist eine wunderbare Erfahrung“, so Gruner-Bauer.