Bürgerenergie Budenheim eG: Sonnenstrom im Ortsnetz erzeugen und verbrauchen

Zum Mitglied: Bürgerenergie Budenheim eG

Initiatorinnen und Aufsichtsrat der Budenheimer Energiegenossenschaft: v.l.n.r. Jörg Gräf (Initiator), Hans-Jürgen Veit (Techn. Vorstand), Klaus Neuhaus (Initiator), Magda Dewes (Vorsitzende Aufsichtsrat), Rainer Datz (Kaufm. Vorstand) Andreas Harschneck (Beisitzer) und Helmut Lauzi (Beisitzer) Copyright: Bürgerenergie Budenheim

„Wir haben eine einfache Story“, sagt Vorstand Rainer Datz. "Wir beteiligen die Bürger*innen, nehmen Geld auf, bauen auf Budenheimer Dächer Photovoltaikanlagen und verkaufen den Strom an die Gemeindewerke.“

Vor Jahren hatte die Gemeinde Budenheim im Landkreis Mainz-Bingen beschlossen, energie-autark zu werden. Doch wurden die hohen Ziele bei Weitem nicht erreicht. Deshalb schlossen sich 2019 interessierte Personen zusammen, darunter Jörg Graf, der ehemalige Vorstandssprecher der Gemeindewerke. Sie wollten mit der Gründung einer Energiegenossenschaft den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Budenheim ankurbeln, die Bürger*innen beteiligen und das Kapital für die Investitionen beschaffen. Damit sollten gemeindeeigene Dächer und die Gebäude der Wohnungsbaugesellschaft Budenheim mit Photovoltaikanlagen bestückt werden.

PPA mit den Gemeindewerken

Die Besonderheit des Budenheimer Modells: Der im Ort erzeugte Strom wird von den Gemeindewerken abgenommen. Für Vorstand Rainer Datz ist das eine Win-Win-Situation: „Die Gemeindewerke kaufen günstig ein, wir bekommen einen guten Preis und haben keine Durchleitungsgebühr, weil wir den Strom ins Budenheimer Netz einspeisen.“

Für den Stromliefervertrag liegt mittlerweile ein Entwurf vor, den die Gemeindewerke ausgearbeitet haben und der bald unterschrieben werden soll. Die Vorstände der Energiegenossenschaft würden sich eine längere Preisbindung wünschen. „Doch wir bekommen mehr als die neue Einspeisevergütung für Volleinspeisung und haben so einen Puffer als Sicherheit“, sagt Rainer Datz.

Ausbau dauert länger

„Wir hatten hochfliegende Pläne und wollten schnell die Dächer in Budenheim mit PV-Anlagen voll haben“ sagt Vorstand Datz. Aktuell sind die Verantwortlichen etwas ernüchtert und ungeduldig. Der Ausbau dauert länger als gewünscht. Die Genossenschaft hat zwei Dächer mit Südausrichtung als Projekte identifiziert. Für beide ist der Auftrag an einen Solarteur vergeben, doch es fehlen die Wechselrichter. „Wir wollen sichtbar werden und mit dem ersten Projekt werben, damit den Bürgerinnen und Bürger deutlich wird, was wir tun“, sagt Datz, der neben dem kaufmännischen Bereich im Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Ein weiteres geplantes Projekt der Budenheimer Genossenschaft kann erst 2023 umgesetzt werden. Ein Gebäude der Wohnbaugesellschaft wird komplett saniert und auf dem neuen Flachdach wird es eine Fläche für eine größere PV-Anlage geben.

Gute Kooperation

„Wir haben ein funktionierendes Dreieck von Energiegenossenschaft, Wohnbau und den Gemeindewerken“, sagt Rainer Datz. Der überwiegende Teil der Dächer der Gemeinde gehöre der Wohnbaugesellschaft, sie ist ebenso Mitglied der Genossenschaft wie die Gemeindewerke und bezieht Dachpacht für das Bereitstellen der Dächer.

Für die Zukunft der Kinder Sorge tragen

Im November 2021 hat sich die Bürgerenergie Budenheim eG im Ort mit ca. 8.500 Einwohner*innen gegründet. Als gefragt wurde, wer mitarbeiten möchte, hat Rainer Datz zugesagt. Er habe ein persönliches Interesse an dem Thema, so der hauptberufliche Mittelstandskundenberater bei einer genossenschaftlichen Bank. „Ich habe drei Kinder. Das ist Motivation genug etwas zu tun, dass sie ein gescheites Umfeld bekommen.

Vision genossenschaftliche Solarfirma

Rainer Datz hat Zukunftsideen. Er findet begrünte Flachdächer mit Photovoltaikanlagen spannend, weil das noch mehr ökologischen Nutzen habe. Sein Traum ist eine eigene genossenschaftliche Tochterfirma in Budenheim. „Das wäre ideal. Eine Firma, die Dächer mit Solaranlagen belegt und Gewerbesteuer an die Gemeinde bezahlt. Dann würde sich der Kreis der Wertschöpfung vor Ort schließen.“ Aktuell gebe es jedoch noch keine Budenheimer Handwerker, die an dem Thema Interesse zeigen, die hielten sich bedeckt. Doch will Datz dranbleiben an der Idee: „Es gibt noch genügend Dächer mit Solaranlagen in der Kommune zu bestücken.“