Die 2022 gegründete Bürgerenergiegenossenschaft Gusterath realisiert ein ambitioniertes Freiflächenprojekt - Portrait des neuen LaNEG-Mitglieds.
Mittendrin in der Realisierung ihres eigenen Bürgersolarparks sind die Verantwortlichen der Bürgerenergiegenossenschaft Gusterath im Landkreis Trier-Saarburg. Bis Ende 2024 soll das Bürgersolarprojekt mit einer Leistung von etwa 4 MWp am Netz sein. Die Genossenschaft rechnet mit einem Stromertrag von mehr als vier Millionen kWh pro Jahr, das entspricht dem Strombedarf von etwa 1.000 Haushalten.
Die Energiegenossenschaft hat sich die Flächen für die PV-Freiflächenanlage durch langfristige Pachtverträge selbst gesichert. Zwei Parzellen von einem Landwirt, der das Bürgerenergieprojekt unterstützt, und zwei von einer Kirchengemeinde in Trier. Den Standort haben die Gusterather Energiegenossen bewusst gewählt. Er wurde in der Potenzialanalyse der Verbandsgemeinde Ruwer als geeignet für eine Solaranlage ausgewiesen. Die Qualität des Bodens für die landwirtschaftliche Nutzung wird als gering eingestuft. Zudem liegt sie in der Nähe eines bestehenden Umspannwerkes, was eine kostenspielige Verlegung von Leitungen vermeidet.
Der Genehmigungsprozess ist in vollem Gang. Der Aufstellungsbeschluss durch den Gemein-derat ist erfolgt. Für die Baugenehmigung nötige Gutachten wie eine Brutvogelkartierung und eine archäologische Prospektion sind in Auftrag gegeben und zum Teil abgeschlossen. Die Genossenschaft hat sich bei Westnetz die Einspeisemöglichkeit für den erzeugten Strom in das vorhandene Umspannwerk gesichert. Für den Bau der Anlage hat die BEG einen regionalen Anbieter ausgewählt. Die VG Ruwer arbeitet noch an der Fortschreibung des Flächennutzungsplans, der im Laufe des Jahres 2024 abgeschlossen sein soll. Auf dieser Basis können die Bauanträge gestellt werden, voraussichtlich im Mai 2024.
Eine Vision entsteht
Im Herbst 2021 entwickelten Gusterather Nachbarn die Idee, in der Gemeinde eine Freiflächensolaranlage umzusetzen, um die Energieversorgung der Gemeinde langfristig aus regenerativen Quellen zu sichern und Bürger*innen an dem Mehrwert zu beteiligen. Schnell machte sich die Gruppe an die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft. Noch vor der Gründung, im Februar 2022, wurde dem Gusterather Gemeinderat ein mögliches Freiflächensolarprojekt vorgestellt. Die Präsentation fand breite Unterstützung und dies ermutigte die Initiator*innen, die Idee in die Tat umzusetzen. Ende April 2022 haben dann 15 Bürger*innen die Bürgerenergiegenossenschaft Gusterath gegründet. Im November 2022 wurde die BEG in das Genossenschaftsregister eingetragen.
Wie schafft es eine Energiegenossenschaft als erstes Projekt eine PV-Freiflächenanlage mit hoher eigener Wertschöpfung umzusetzen? Ein wichtiger Grund sind die beiden Vorstände. Daniel Gregetz ist hauptberuflich in der Projektentwicklung von PV-Freiflächenanlagen tätig und bringt seine Erfahrung ehrenamtlich in den geplanten Solarpark ein. Michael Pauli bringt aus seinem Hauptberuf langjährige Erfahrungen im Projektmanagement mit. Eine PV-Freiflächenanlage ist für ihn Neuland. Von der Flächensicherung mit den Verhandlungen der Pachtverträge bis hin zu Netzeinspeisungszusagen hat er sich erstmals mit den Details eines PV-Freiflächenprjektes befasst. Eine anspruchsvolle Aufgabe.
Michael Pauli hatte für den Vorruhestand ein neues Engagement gesucht und ist so auf die Grün-dungsinitiative gestoßen. „Es ist ein Privileg, so eine Chance auf ein weiteres, neues berufliches Leben zu haben.“ Das Projekt des Bürgersolarparks bringt ihn manchmal an die Grenze seiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Mehr als 50 Tage habe er 2023 in die Genossenschaft und das Freiflächenprojekt investiert .
Für das Gusterath von Morgen
Von Anfang an haben die Verantwortlichen der Genossenschaft mit Veranstaltungen, einer gut gemachten Website und einem Facebook-Auftritt die Bürger*innen über das Projekt informiert und zum Mitmachen motiviert: „Wir wollen den Strom, den wir verbrauchen, selbst erzeugen“.
Der Erfolg lässt sich sehen. Ende Januar 2024 haben die Gusterather Energiegenossen schon 430.000 Euro an Mitgliedsanteilen eingeworben und sind auf 108 Mitglieder angewachsen. Bei einer Investitionssumme des Solarprojektes von ca. 2.5 Mio Euro wird sich das nötige Eigenkapital auf mindestens 600.000 Euro belaufen. Pauli zeigt sich optimistisch, das zu stemmen. Wenn ein Zaun stehe und gebaut wird, sei das Projekt noch sichtbarer.
Vermarkten will die Genossenschaft den erzeugten Strom über PPAs, also Direktlieferverträge. Alternativ prüft der Vorstand, ob die Ausnahme-regelung für Bürgerenergiegesellschaften im EEG genutzt werden kann. Fast in den Hintergund tritt ein weiteres Projekt, das die Energiegenossenschaft 2024 umsetzen möchte: Die Gemeinde Gusterath möchte PV auf dem Dach des Gemeindehauses und hat die BEG 2023 gebeten, das Projekt zu entwickeln.
„Wir haben das Potenzial für weitere Projekte“, sagt Vorstand Michael Pauli. In der Verbandsge-meinde Ruwer, in der Gusterath liegt, sind im Flächennutzungsplan 185 ha für Freiflächen ausgewiesen. In zehn Gemeinden wird über Solarparks diskutiert. Außerdem hat die Verbandsgemeinde Ruwer gerade eine Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR) gegründet, um selbst wirtschaftlich tätig zu werden. Hier gibt es erste Gespräche mit der Energiegenossenschaft. „Wir sind sehr bürgernah, da haben wir gegenüber anderen Projektierern einen Vorsprung“, so Vorstand Michael Pauli.
Update 2025: PV-Freiflächenanlage Gusterath ist in Betrieb
Nach weniger als drei Jahren hat die Bürgerenergiegenossenschaft Gusterath die PV-Freiflächenanlage Gusterath-Kasborn als erstes Projekt umgesetzt und im März in Betrieb genommen. Dafür haben die Gusterarther die Sonderregelung des EEG für Bürgerenergiegesellschaften in Anspruch genommen. Am 4. Juni feierte die Energiegenossenschaft mit Mitgliedern und Interessierten die Eröffnung. Die Freiflächenanlage hat eine Leistung von 5 MWp und kostete drei Millionen Euro. Schon im November hatte die BEG Gusterath die geplante Eigenkapitalquote von 700.000 Euro erreicht. „Die Anlage steht für das Engagement und die Eigeninitiative der Bürger*innen aus Gusterath und Umgebung, sie steht für die umweltfreundliche Modernisierung unserer Energieversorgung und sie erfüllt uns mit Stolz über das gemeinsam Erreichte und bildet ein neues Aushängeschild für die Gemeinde“ schreiben Vorstand und Aufsichtsrat im Newsletter. Mehr Informationen gibt es auf der Website der Energiegenossenschaft