Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal eG: Machen statt jammern

Zum Mitglied: Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal eG

Das EGOMobil Copyright: Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal eG
Umwelttag 2019, v.li.: Aufsichtsratsmitglied Heiko Koch; Aufsichts-ratsvorsitzender Klaus Birker, Bettina Kruaß, Bund Rhein-Lahn; Vorstände Thomas Schwab und Klaus Steinbeck. Copyright: Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal eG

E-Carsharing, PV, Bürgerstrom: Die Energiegenossenschaft Oberes Mühlbach-tal eG (EGOM) in Strüth will der regionale Ansprechpartner in Sachen Klima-schutz und Energiewende sein. Ein Portrait des jüngsten LaNEG-Mitgliedes.

Was machen Menschen im ländlichen Raum, an der Grenze zweier Bundesländer mit einem miserablen öffentlichen Nahverkehr? Sie gründen eine Energiegenossenschaft und starten ein E-Carsharingprojekt. So haben es die zehn Gründungsmitglieder der Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal eG (EGOM) in der 300-Seelen-Gemeinde Strüth im Taunus im Februar 2016 gemacht. Schon im Sommer 2016 startete in Strüth das E-Carsharing, nachdem der Aufsichtsratsvorsitzende aus eigener Tasche ein Fahrzeug vorfinanzierte.

„Ich hatte mich schon vorher über den ehemaligen Diakon Peter Fischer im Kloster Strüth mit den Themen Frieden und Ökologie beschäftigt“, sagt Vorstand Thomas Schwab. „Mit der Energiegenossenschaft reden wir nicht nur, sondern machen etwas Konkretes mit einem hohen gestalterischen Potenzial.“ „Energie da produzieren, wo sie verbraucht wird. Wir tun es!“ heißt es denn auch programmatisch auf der Website der EGOM. Im Dezember 2016 baute die Genossenschaft ihre erste Solaranlage, wurde im August 2018 Mitglied der Dachgenossenschaft Bürgerwerke und vertreibt den EGOM Bürgerstrom.

Strüth unter Strom

Die EGOM will die Energiewende unterstützen, Bürgerinnen und Bürger direkt beteiligen, ein Wir-Gefühl in der Region schaffen und einen Rahmen geben, um gemeinsam eine Vision zu leben. Schließlich will die Genossenschaft einen Beitrag zur Bewusstseinsänderung und zum respektvollen Umgang mit Energie und Umwelt leisten.
Deshalb ist die EGOM seit 2015 Mitveranstalter des Umwelttages in Strüth zusammen mit der Ortsgemeinde und der Energieagentur Rheinland-Pfalz. 2017 begeisterte Prof. Dr. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin die Besucherinnen und Besucher.

Zum Umweltwelttag 2019 „Strüth unter Strom“ kamen trotz schlechten Wetters 250 Menschen, nahmen am Schöpfungsgottesdienst teil, informierten sich über echten Ökostrom und über praktische Beispiele für ein nachhaltiges Handeln und Wirtschaften. Auch der Landrat, der Verbandsbürgermeister und viele Ortsbürgermeister waren gekommen. „Wir haben fünf neue Stromkunden und acht Genossenschaftsmitglieder gewonnen“, sagt Vorstand Klaus Steinbeck zufrieden. Heute hat die EGOM über 130 Mitglieder, Tendenz wachsend.

Bürgerenergie gegen Konzern

2019 ist die EGOM in den direkten Wettbewerb mit der RWE-Tochter SÜWAG gegangen und hat sich mit Unterstützung der Bürgerwerke für die Stromversorgung der Verbandgemeinde Nastätten beworben. Zwar ist die EGOM preislich knapp unterlegen, doch haben sich fünf Orte in der Verbandsgemeinde mit einem Gesamtverbrauch von etwa 110.000 kWh entschieden, zukünftig den 100 % TÜV-geprüften Ökostrom zu beziehen. „Damit haben wir ein Zeichen gesetzt“, sagt Thomas Schwab. Dieser Teilerfolg ist auch ein Ergebnis der guten Netzwerkarbeit der Verantwortlichen der Genossenschaft in der Verbandsgemeinde. „Wir genießen hohes Vertrauen in der Bevölkerung und sind gut vernetzt mit Politik, Kirche, Eine Welt Gemeinschaft, Solidarischer Landwirtschaft usw.“, sagt Klaus Steinbeck. Ende 2019 will die EGOM mindestens 60 Kunden mit einem Strombezug von über 400.000 kWh haben.

Das EGOMobil zieht Kreise

Aktuell hat die EGOM mit Strüth und Diethardt zwei E-Carsharingstandorte. Ein drittes Fahrzeug ist für ein Jahr an den Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat Nassauer Land ausgeliehen. Ein weiterer Standort in Miehlen ist beschlossene Sache, dort bauen die Bürgerwerke die Ladesäule. Die Ortsgemeinden Nastätten und Oberwallmenach sollen 2020 dazukommen. Die Grundfinanzierung soll jeweils durch Ankermieter gedeckt werden, etwa die Verbandsgemeinde, ein Chemieunternehmen, Gewerbetreibende, Fahrdienste in den Ortsgemeinden oder Bürgerinnen und Bürger. Die Anschaffung der Autos wird über Nachrangdarlehen der Mitglieder finanziert. „Wir sind der E-Carsharing Anbieter in unserer Verbandsgemeinde und erweitern unsere Fahrzeugflotte um jährlich mindestens zwei Fahrzeuge“, nennt Klaus Steinbeck die ambitionierten Ziele. Die Carsharing-Idee zieht ihre Kreise. „Immer mehr Leute fragen nach, Ortsbürgermeister interessieren sich oder auch eine Kirchengemeinde“, sagt Thomas Schwab.

Nachhaltig wachsen

„Um dauerhaft zu existieren und weiter nachhaltig zu wachsen, müssen wir wirtschaftlich stabil und finanziell abgesichert sein“, sagt Vorstand Klaus Steinbeck. Deshalb will die EGOM das Geschäftsfeld Photovoltaik ausbauen. Derzeit baut die Genossenschaft eine PV-Anlage auf dem Dach des Hauses der Ortsbürgermeisterin von Oberwallmenach. Das soll das Angebot bekannter machen und weitere Dacheigentümer zum Nachmachen motivieren. Außerdem sind die Vorstände mit einem Kinobesitzer und Gewerbebetrieben in Kontakt wegen größeren Anlagen im Pachtmodell.

In drei Geschäftsfeldern aktiv zu sein, einen Umwelttag und kleine Veranstaltungen organisieren, in Gemeinderäten über Klimaschutz und Energiewende zu sprechen, all das geht nur mit großem zeitlichen Engagement von Vorstand, Aufsichtsrat und ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Da ist es wichtig, die Aufgaben gut zu strukturieren und auf viele Schultern zu verteilen. Die EGOM will einen dritten Vorstand finden, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin für die Verwaltung gewinnen und eine Arbeitsgruppe Photovoltaik aufbauen. Die Arbeitsgruppe Elektromobilität mit Aktiven aus der Genossenschaft ist schon installiert. Nächstes Jahr möchte die Genossenschaft sich dem e-Carsharing in Bürgerhand (eCB) anschließen und beim E-Auto in Nastätten die professionelle eCB-Buchungs-App nutzen.

Regional … klimaneutral

„Ich bin ungeduldig“, sagt Thomas Schwab. Deshalb hat sich die EGOM auch an dem Projekt "Professionalisieren. Weiterentwickeln. Wachsen" des Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. beteiligt – ein Workshop- und Coachingprogramm über ein halbes Jahr. Die Reflexion habe gut getan, etwa um konkrete Ziele und Prioritäten zu setzen. Nicht zuletzt hat es neue Motivation ge-bracht für das große Ziel, der regionale Ansprechpartner in Sachen Umweltschutz und der Gestaltung der Energiewende im ländlichen Raum zu sein – und die Menschen mitzunehmen. „Wir wollen Vorbild sein für andere, die aus der Passivität rauswollen“, sagt Klaus Steinbeck.